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Amateurrennen statt U23-Cup?

Noch 199 Tage bis zu den 56. SIXDAYS BREMEN. Genießt du die Ruhe vor dem Sturm oder haben deine Planungen schon begonnen?
Weispfennig: Nach den SIXDAYS ist vor den SIXDAYS. In diesem Sinne führe ich das ganze Jahr Gespräche und halte meine Augen offen nach Veränderungen und neuen Talenten. Konkret werden die Pläne dann ab Ende des Sommers, wenn die Bahnradsaison mit der Europameisterschaft und den Weltcups ansteht.

Hast du schon Wunschkandidaten für 2020?
Weispfennig: Natürlich gibt es Wunschkandidaten. Ich habe ja gesehen, was bei den SIXDAYS 2019 gut funktioniert hat und was vielleicht nicht so. Eine Neuauflage des Sprinterduells zwischen Robert Förstemann und Maximilian Levy würde mich freuen. Aber es spielen viele Faktoren in die Fahrerplanung, wie zum Beispiel Verpflichtungen durch die Nationalmannschaften oder Straßenteams.

Welche Auswirkungen hat Olympia 2020 auf die kommende SIXDAYS-Saison?
Weispfennig: Für die Olympiaqualifikation ist das Sechstagerennen nicht mehr relevant. Allerdings bietet unsere extrem kurze und steile Bahn, die zu den anspruchsvollsten der Welt gehört, eine gute Möglichkeit, um unter Wettkampfbedingungen den nötigen technischen Feinschliff zu bekommen. Hier sind auf kurze Distanz viele Wechsel möglich.

Das Sportprogramm wurde in der Vergangenheit immer mehr ausgeweitet. Sind für die 56. SIXDAYS Veränderungen im Bereich Sport geplant?
Weispfennig: Den Andy-Kappes-Cup für Fahrer unter 19 Jahren werden wir beibehalten. Ich könnte mir allerdings vorstellen, den U23-Cup aufzulösen und stattdessen altersunabhängige Profi- und Amateurrennen ins Programm zu nehmen. Damit hätten auch Sportler über 22 Jahren, die im Profifeld bis dahin keinen Fuß fassen konnten, Startmöglichkeiten auf unserer Bahn. Nicht wenige Fahrer erreichen ihr Leistungsmaximum erst mit Mitte oder sogar Ende zwanzig. Für sie gibt es bisher auf Grund der Altersbeschränkung kaum Wettkampfmöglichkeiten bei Sechstagerennen.

Welchen Stellenwert haben Sechstagerennen heutzutage für Bahnradsportler?
Weispfennig: Für die Profisportler sind Sechstagerennen eine gute Einnahmequelle. Je mehr Rennen es gibt, desto bessere Start- und somit auch Verdienstmöglichkeiten haben sie. Gleichzeitig können sie sich hier vor großem Publikum präsentieren – immerhin weisen Sechstagerennen nach Olympia und Weltmeisterschaften die größten Zuschauerzahlen auf. In Bremen sind es jährlich bis zu 60.000 Besucher an den sechs Tagen.

Du bist seit April 2019 Vizepräsident für Vertragssport beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Welche Aufgaben übernimmst du dort?
Weispfennig: Ich bin beim BDR Kontaktperson für alle Profisportler – egal ob Bahn, Straße oder Mountainbike. Als Bindeglied zwischen Leistungssportdirektor und Sportlern bin ich in Nominierungsgespräche eingebunden, kläre Verfügbarkeiten und unterstütze bei etwaigen Fragen und Problemen. Darüber hinaus übernehme ich repräsentative Aufgaben bei Deutschen Meisterschaften oder mache auch mal Shuttleservice für die Sportler.

 

Hintergrund
Erik Weispfennig ist seit 2012 Sportlicher Leiter der SIXDAYS BREMEN. Der 49-Jährige startete als aktiver Bahnradsportler bei 84 Sechstagerennen – darunter zehnmal in Bremen. 1989 wurde er mit Stefan Steinweg erstmals deutscher Meister, weitere Titel folgten. 2000 sicherte sich das Duo als erste Deutsche den Weltmeistertitel im Zweier-Mannschaftsfahren (Madison). 2007 beendete Weispfennig seine Sportlerkarriere.

ALLGEMEIN: SIXDAYS locken Fans aus dem Ausland nach Bremen

Mit einer Paradeleistung des belgischen Radsportduos Iljo Keisse und Jasper De Buyst sind am Dienstagabend die 55. SIXDAYS BREMEN zu Ende gegangen. Die Veranstalter sind zufrieden – auch wenn die Besucherzahlen leicht unter den Vorjahresergebnissen geblieben sind. „Nach ersten Hochrechnungen waren rund 59.000 Besucher an den sechs Tagen in unseren Hallen. Wenn man bedenkt, dass wir in neuer Konstellation und mit zum Teil veränderten Konzepten an den Start gegangen sind, ist das ein gutes Ergebnis“, sagt Geschäftsführer Felix Wiegandt von der Event & Sport Nord GmbH (ESN).

Mit verantwortlich für den leichten Besucherrückgang sei der Sonntag. „Für diesen Tag fehlt uns ein klares Konzept. Daran müssen wir definitiv arbeiten“, so Wiegandt weiter. Eine erfreuliche Entwicklung vernahmen er und Mit-Geschäftsführer Hans Peter Schneider in der ÖVB-Arena: Eine neue Promi-Talk-Ecke, die Verlagerung der Bühne in die Ostkurve und mehr Sport dank kürzerer Showpausen haben sich ausgezahlt. „Da war richtig was los im Innenraum und auf den Rängen. Hier haben wir auch vermehrt Besucher aus dem Ausland wahrgenommen – das ist eine tolle Entwicklung“, freut sich Schneider.

Dass die SIXDAYS über die Bremer Stadtgrenzen hinaus bekannt werden, dafür sorgen die offiziellen Botschafter. Am Finalabend wurden mit Radsportlerin Denise Schindler, die zuvor das Paracycling-Duell für sich entscheiden konnte, und Bürgermeister a. D. Jens Böhrnsen, der seit 1965 kaum ein Sechstagerennen verpasst hat, zwei weitere Personen in den Botschafterkreis aufgenommen.

Die 56. SIXDAYS BREMEN finden von Donnerstag bis Dienstag, 9. bis 14. Januar 2020, statt.

SPORT: Triumphfahrt der Belgier

Sie galten von Beginn an als die Favoriten und setzten sich durch: Das belgische Traumduo Iljo Keisse und Jasper De Buyst (Team elements pure) hat die 55. SIXDAYS BREMEN für sich entschieden. „Die Stärksten haben gewonnen. Die beiden World-Tour-Fahrer dominierten das Feld über die Tage und ließen keine Zweifel aufkommen, dass sie hier gewinnen wollten“, sagt Erik Weispfennig, Sportlicher Leiter. Platz zwei sicherten sich Vorjahressieger Theo Reinhardt und Teamkollege Marc Hester (Team swb) vor der Überraschungsmannschaft Simone Consonni, der sein erstes Sechstagerennen bestritt, und Tristan Marguet (Team Schulenburg).

Vier Teams in der Nullrunde, drei Punkte Differenz zwischen den beiden führenden Mannschaften: Die Voraussetzungen für die Finaljagd hätten kaum spannender sein können. Die Zuschauer erlebten ein temporeiches Rennen, in dessen Verlauf die Führung mehrmals wechselte. Achim Burkart und Andreas Graf (Team DATAGROUP) fuhren die erste Dublette des Abends heraus, kamen aber über Platz vier nicht hinaus. Die wahren Protagonisten der finalen Jagd waren Keisse/De Buyst und Hester/Reinhardt. Mit einer Dublette dreißig Runden vor Schluss machten die Belgier den Sieg perfekt. Ein letzter Angriffsversuch der Zweitplatzierten blieb ohne Erfolg.

Die Atmosphäre in der vollen ÖVB-Arena war eines Finales würdig, sagt Mario Roggow, Leiter der SIXDAYS: „Das war Gänsehaut pur. Die führenden Teams sind ein irres Tempo gefahren, die Zuschauer auf den Tribünen sind lautstark mitgegangen.“

Im Sprinterwettbewerb wurde es am letzten Renntag noch einmal eng: Durch Siege im Keirin und Rundenrekordfahren konnte Elias Edbauer bis auf zwei Punkte an den Führenden Maximilian Levy heranfahren. Doch am Ende musste sich der 18-Jährige mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Der finale Sprint brachte die Entscheidung und den Gesamtsieg für Levy. „Nach dem Ausfall von Robert Förstemann war Levy ganz klar Favorit und doch haben es die jungen Fahrer immer wieder geschafft, ihm ein Schnippchen zu schlagen“, sagt Weispfennig. Für eine besondere Überraschung sorgte Robert Förstemann. Der 32-Jährige kam am Abend noch einmal persönlich in die Halle, um sich beim Bremer Publikum und für die vielseitige Unterstützung nach seinem Bahnunfall am vergangenen Samstag zu bedanken.

Traditionell starteten am Finalabend auch die Paracycler auf der Bremer Bahn. Im 2000-Meter-Zeitfahren siegte Denise Schindler gegen Pierre Senska. Schindler, die mit zwei Jahren bei einem Unfall ihr rechtes Bein verlor und heute eine Unterschenkelprothese trägt, wurde im weiteren Verlauf des Abends zur offiziellen Botschafterin der SIXDAYS BREMEN ernannt.

Endergebnis der 55. SIXDAYS BREMEN

Rang Name Teamsponsor Runde Punkte
1 Keisse Iljo – De Buyst Jasper elementspure 0 295
2 Hester Marc – Reinhardt Theo swb 1 233
3 Consonni Simone – Marguet Tristan Schulenburg 2 292
4 Burkart Achim – Graf Andreas DATAGROUP 2 205
5 Grasmann Christian – Mørkøv Jesper ÖVB 3 138
6 Stroetinga Wim – De Pauw Moreno ADLER Solar 7 196
7 van Zijl Melvin – Hesters Jules ATLANTIC Hotels 15 138
8 Bommel Henning – Malmberg Matias bremen eins 23 166
9 Harrison Joshua – Augenstein Moritz Courtyard by Marriott 35 106
10 Boussaer Bryan – Schmiedel Sebastian bike it 36 89
11 Frederiksen Oliver Wulff – Beyer Maximilian Der Installatör 37 159
12 Liß Lucas – Pirius Hans Sonne am Haus 38 43