Blockland, italienisches Essen und viel Sport

Blockland, italienisches Essen und viel Sport

Du hast als erster Profifahrer Deine Zusage für die SIXDAYS BREMEN gegeben. Was ist für Dich das Besondere an der Veranstaltung?

Der Reiz der kurzen Bahn. Aber auch die Organisation und das Team hinter den Kulissen sorgen für eine familiäre Atmosphäre und dafür, dass man sich wohlfühlt in Bremen. Die Zuschauer sind hier dicht an den Fahrern und haben die Möglichkeit, persönlich mit ihnen zu sprechen. Das ist für das Publikum sicherlich interessant.

Welche drei Dinge fallen Dir ein, wenn Du an Bremen denkst?

Das Blockland ist mega cool zum Radfahren. Das habe ich selbst schon erkundet. Außerdem gibt es einen echt guten Italiener an der Schlachte, zu dem ich immer gern gehe. Ansonsten heißt Bremen für mich viel Sport. Das Programm ist recht hart, immerhin starten wir samstags gleich zweimal und dann am Sonntag schon früh morgens. Das ist schon sportlich im Vergleich zu anderen Sechstagerennen.

Du hast in Bremen 2018 Deinen ersten Sieg bei einem Sechstagerennen eingefahren. Die Bahn scheint Dir zu liegen oder? Was unterscheidet sie von anderen?

Die Bahn ist sehr kurz, dadurch sind die Abläufe extrem schnell. Es gibt viele kurze Rennmomente, die man auf und an der Bahn im Blick haben muss. Da ist ein gutes Auge von Vorteil. Ich glaube, das liegt mir gut. Und man muss sich in den Kurven gut anstellen, also den Kurvendruck ausnutzen. Das bringe ich alles mit.

Wenn Du einen Wunsch äußern dürftest, mit wem würdest Du dann gern mal gemeinsam ein Sechstagerennen fahren?

Kenny De Ketele war schon sehr cool. Ich würde auch gerne mal mit Iljo Keisse zusammen fahren. Der wäre ein Wunschpartner.

…und gibt es jemanden, gegen den Du gern mal fahren würdest?

Ich fahre gern Rennen, gegen wen ist da im Grunde egal. Also, ich habe keinen Wunschgegner, der Partner steht im Vordergrund.

Wie kann man sich Deinen typischen Tagesablauf während eines Sechstagerennens vorstellen?

Erstmal wird lange geschlafen. Dann gibt es ein ausführliches Frühstück. Ich bin danach gern mit meinem Straßenrad unterwegs, ein bisschen an der frischen Luft und die Beine locker fahren. Danach gibt es meistens Massage und anschließend Mittagessen. Das ist dann gegen 16 Uhr etwa. Meistens legt man sich nochmal kurz hin, macht quasi Mittagsschlaf, bis es losgeht. Abends ist man dann auf der Bahn on fire. Gegen 2 Uhr geht es ins Bett.

Kannst Du nach einem langen Renntag dann direkt schlafen?

Das kommt drauf an, wie hart das Rennen war. Wenn man an seine Grenzen gekommen ist, dauert es schon mal etwas länger. Ansonsten geht es relativ fix mit dem Einschlafen.

Nun stehen die SIXDAYS BREMEN nicht nur für sechs Tage Radsport, sondern auch für Show und Party. Bekommst Du als Fahrer etwas davon mit?

Beim Rein- und Rausgehen aus der Halle bekommt man das natürlich mit, wenn einem die feierwütigen Zuschauer entgegenkommen. Als Fahrer bleibt aber eher keine Zeit, um in den Hallen zu feiern. Nach einem langen Renntag überwiegt die Müdigkeit.

Dein Ziel sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Welche Rolle spielen Sechstagerennen auf dem Weg dorthin?

Die Rennen machen natürlich Spaß und sind für uns Fahrer auch ein hochwertiges Training. Hier können wir Rennsituationen schulen und Abläufe unter Wettkampfbedingungen ausprobieren. Für uns bedeutet es Prestige, ein Sechstagerennen zu gewinnen. Aber das ist etwas, was man sich über sechs Tage erarbeitet. Bei einer Weltmeisterschaft oder Olympia zählt ein Tag. Das ist ein ganz anderer Druck. Und letztendlich ist es mein Hauptberuf, unser Land mit der Nationalmannschaft international zu vertreten. Sechstagerennen sind dabei ein Saisonpunkt.

Bis zu den SIXDAYS im Januar sind es noch knapp zwei Monate. Welche Termine stehen davor bei Dir an?

Ich stecke schon voll in der Olympiaqualifikation. Aktuell starte ich beim Sechstagerennen in Gent. Darauf folgen Weltcups in Hongkong und Brisbane. Dann kommt Weihnachten, ein bisschen Zeit zum Luftholen und Grundlagen fahren. Tja und dann sind auch schon die SIXDAYS BREMEN.

Das klingt nach einem ziemlich straffen Zeitplan. Wie viele Tage im Jahr bist Du in etwa unterwegs?

Schwer zu sagen. Ich denke, ich bin schon bis zu 280 Tage im Jahr unterwegs. Die Olympiaqualifikation läuft über zwei Jahre, da sind es nochmal mehr Tage als in anderen Zeiträumen. Neben den Wettkämpfen haben wir auch viele Trainingslager.

Färbt Deine Leidenschaft für den Radsport auch schon auf Deinen Sohn ab?

Er fährt schon gern Fahrrad und fragt auch von sich aus nach Fahrradtouren, aber keine Ahnung, inwiefern er mitbekommt oder das darauf zurückzuführen ist, dass sein Vater auf dem Rad unterwegs ist.

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Hintergrund

Theo Reinhardt gehört zu den erfolgreichsten aktiven Bahnradprofis Deutschlands. Er ist zweifacher Weltmeister, vierfacher Vize-Europameister und neunfacher deutscher Meister. Im März dieses Jahres gelang ihm und Partner Roger Kluge, was bisher kein deutsches Duo erreichte: Sie verteidigten erfolgreich ihren WM-Titel im Zweier-Mannschaftsfahren. Seinen ersten Sieg bei einem Sechstagerennen erzielte der 29-Jährige 2018 auf der Bremer Bahn an der Seite des Belgiers Kenny De Ketele. Bei seiner ersten Olympiateilnahme 2016 in Rio de Janeiro fuhr er gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf Platz fünf in der Mannschaftsverfolgung. Nun lautet das Ziel Olympia 2020 in Tokio.

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