Das 52. Bremer Sechstagerennen

Christian Grasmann – der Bart ist endlich ab
Einundsechzigmal hatte es Christian Grasmann versucht, bei einem Sechstage-Rennen ganz oben auf das Treppchen zu stehen. Beim 62. Versuch während des  52. Bremer Sechstagerennens, war es dann endlich soweit: Gemeinsam mit dem holländischen Ausnahmefahrer Kenny de Ketele überquerte „Grasi“ nach sechs strapaziösen Renntagen erstmals als Sieger den Zielstrich. „Ich bin noch immer voll Adrenalin, aber mit so einem Superpartner ist es fast schon einfach zu gewinnen“, strahlte Christian. Im Übrigen glattrasiert: Der Bart war ab! Der 34jährige Münchener, der schon so oft knapp am Sieg vorbei gefahren war, hatte ihn verwettet. „Jetzt sehe ich außerdem zehn Jahre jünger aus“, scherzte er mit strahlendem Gesicht.

Nicht nur er konnte mit dem Verlauf dieser Sixdays hochzufrieden sein. Auch Erik Weispfennig, der Sportliche Leiter (noch immer mit Bart), war überaus angetan von den Leistungen der Teams. Wie auch in den vier Jahren zuvor hatte er erneut das richtige Händchen bei der Zusammenstellung der zwölf Fahrerteams. Wer mit wem zusammen fährt – das ist das Geheimnis einer spannenden Veranstaltung. Dass es zum Schluss vier statt der prognostizierten sieben Mannschaften waren, die den Sieg unter sich ausmachten – geschenkt. Spannend war es allemal. Und wenn in der Schlussnacht einige Mannschaften bis zu sieben Runden verloren – ebenfalls geschenkt. Es wurde trotzdem ein dramatisches Finale.

Viel Zuspruch erhielten erneut die Sprinter, bei denen sich das deutsche Team deutlich vom englischen absetzen konnte. Die Einzelwertung ging allerdings an den Briten Matthew Rotherham. Höhepunkt der Sprint-Wettbewerbe war das Rundenrekordfahren am Montag. Nur um 8/1000 Sekunden verpasste Richard Aßmus aus Erfurt mit 8.820 Sekunden eine neue Bestmarke, die nach wie vor bei 8.812 Sekunden für die 166,66 Meter lange Strecke steht. Das sind sagenhafte 68 km/h – fast schneller als die Polizei erlaubt.

Mit den Wettbewerben der U-19-Fahrer, dem U-23-Cup, den Frauen und auch dem Einzelverfolgungs-Wettbewerb der Paracycling-Radsportler war das Programm pick-packe voll. Als Novum kam in diesem Jahr noch der Jedermann-Wettbewerb „DEIN RENNEN“ hinzu, der schon im Vorfeld große Begeisterung auslöste. Mehr als 200 Bewerber gab es, die einmal auf der schwierig zu fahrenden Bremer Bahn – sie steht zudem nur an sechs Tagen im Jahr – ihre Runden drehen konnten. Sechs Frauen und sechs Männer qualifizierten sich. „Wir werden das auf jeden Fall im nächsten Jahr ausbauen“, versprach Peter Rengel, Leiter der ÖVB-Arena (wie Erik Weispfennig ebenfalls noch mit Bart). Täglich eine Qualifikation und das Finale am Schlusstag – so soll das Bremer Sechstagerennen in den nächsten Jahren ein weiteres Highlight setzen. Ohnehin sind die Bremer sehr innovativ, haben neben dem Kidsday am Samstag – hier traten erneut zwei Online-Nachwuchskünstler auf – auch die Schulen aktiviert, dabei zu sein. Franco Marvulli, ehemaliger Sechstage-Profi, war in der gutbesetzten ÖVB-Arena als Motivationscoach unterwegs.

Motivieren musste man die Zuschauer in diesem Jahr ohnehin nicht. Sie strömten wieder in Massen in die vier Hallen. „Wir sind an die 65 000 herangekommen“, freute sich Hans-Peter Schneider, einer der Geschäftsführer der Sixdays. Vor allem am Sonnabend und am Montag gab es in den Hallen kaum ein Durchkommen. Vor allem auf den Tribünen in der ÖVB-Arena herrschte Hochbetrieb. „Viel mehr als in den vergangenen Jahren“, freute sich Peter Rengel, der das als „deutlichen Beweis“  dafür wertete, „dass der Sport bei den Sixdays immer mehr in den Vordergrund rückt“. Natürlich amüsieren sich die Leute auch gerne bei und mit den Top40-Bands  in Halle vier oder in der Disco bei Deka-Dance in Halle drei, aber sie finden immer häufiger den Weg zu den sportlichen Wettbewerben in der ÖVB-Arena.

Und wenn die dann so spannend wie in diesem Jahr ablaufen, ist der Weg für weitere erfolgreiche Sixdays in Bremen vorgezeichnet. Freuen wir uns also auf die 53. Sixdays Bremen vom 12. bis 17. Januar 2017. (Klaus-Peter Berg)